Ansbach-Triesdorfer Rind

Die erfolgreiche Wiederherstellung der historischen Ansbach-Triesdorfer Tiger am Hölzleshof durch Horst Prachar und Dr. Guy Spaulding lesen Sie hier: http://www.hoelzleshof-triesdorfer-tiger.de
 

Der Historische Ansbach-Triesdorfer Tiger und warum unser Projekt einzigartig ist

Ein verlorenes Kulturerbe lebt wieder auf. Der ursprüngliche Ansbach-Triesdorfer Tiger des 18. und 19. Jahrhunderts galt seit rund 100 Jahren als ausgestorben. Historische Quellen beschreiben einen niederungsbürtigen, stark gefleckten Rinderschlag mit:

    •    Tigerfärbung (LP-analog, intermediär)
    •    Achat-Tiger (Tigerung + Brindle)
    •    Silber-Tiger (PMEL-basiert)
    •    Schweizer Tallandschecken-Anteilen
    •    Herkunft aus Holländischen, und Schweizer Linien


Diese Merkmale verschwanden ab 1860, als man den Bestand systematisch mit Simmentaler und anderen Rassen ersetzte. Spätestens um 1930 war der alte Schlag vollständig verschwunden.

Warum ein Fleckvieh nicht zum historischen Tiger werden kann
Moderne Versuche, den „Ansbach-Triesdorfer Tiger“ aus Fleckvieh heraus zu rekonstruieren, scheitert an der Genetik :
1. Alle historistischen Merkmale wurden ab 1860 gezielt herausgezüchtet.
May (1872) beschreibt den vollständigen Austausch gegen Simmentaler, Scheinfelder und Allgäuer Tiere.
2. Der heutige Verbandstyp ist genetisch nicht vom Fleckvieh unterscheidbar.
Dies bestätigt der GEH-Abschlussbericht 2015:
„Es konnte keine konkrete Abgrenzung des heutigen Ansbach-Triesdorfer Rindes zum Fleckvieh ermittelt werden.“
3. Ein Wiederherstellungsprogramm mit 50 % Fleckvieh-Einkreuzung kann den historischen Typ nicht abbilden.
Fleckvieh trägt weder die historischen niederungsbürtigen Allele noch die Tigerungsmechanismen des 19. Jahrhunderts.
Damit ist klar: Ein Fleckvieh-basiertes Projekt kann den historischen Tiger nicht wiederherstellen.

Unser Weg: Das Hölzleshof-Wiederherstellungsprojekt

Wir folgen nicht dem modernen Fleckviehtyp, sondern den historischen Originalquellen (1811–1925) und den noch heute existierenden genetischen Ressourcenträgern, die mit den alten Linien übereinstimmen.
Normannische Rinder aus einer Holländischen Linie, die damals auch in Triesdorf eingeflossen ist, tragen bis heute die niederungsbürtigen Merkmale und Tigerungsvarianten, die schon im 18. und 19. Jahrhundert dokumentiert wurden.
Pustertaler & Pinzgauer Rinder
enthalten die Schweizer Tallandschecken-Linie (Berner Urtyp), wie sie Fraas 1853 beschreibt.
Kombination historisch belegter Merkmale
Wir vereinen die dokumentierten Merkmalskomponenten zu einem Tier, dessen Phänotyp exakt den historischen Bild- und Textquellen entspricht.

Reproduktion seltener historischer Farbmerkmale

Unser Projekt konnte folgende historische Varianten wiederherstellen:
    •    Tiger (LP-analog)
    •    Achat-Tiger (LP + Brindle)
    •    Silber-Tiger (PMEL-basiert)
    •    Tallandschecke
Diese Merkmale sind nicht zufällig, sondern historisch belegt.

Wissenschaftlich anerkannt
Unsere Arbeit wurde 2022 in der Fachzeitschrift Züchtungskunde veröffentlicht (Ausgabe 94, Heft 3). Die Anerkennung erfolgte durch die DGfZ – Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde.
Damit ist unser Projekt:
    •    wissenschaftlich validiert,
    •    fachlich anerkannt,
    •    methodisch begründet,
    •    und in der deutschen Tierzuchtwissenschaft verankert.

Warum unser Projekt das einzige historisch korrekte Wiederherstellungsprojekt ist
Weil wir ausschließlich Merkmale und Populationen verwenden, die:
✔ historisch belegt,
✔ genetisch plausibel,
✔ phänotypisch reproduzierbar,
✔ und wissenschaftlich anerkannt sind.

Ein Fleckvieh mit braun pigmentiertem Kopf, wie es heute als „Tiger“ bezeichnet wird, entspricht nicht den historischen Beschreibungen und zeigt keine Tigerfärbung im genetischen Sinn.
Unser Projekt dagegen stellt den authentischen Typ wieder her, wie er zwischen 1757 und 1860 dokumentiert wurde.

Ein Stück bayerische Geschichte kehrt zurück
Mit dem Hölzleshof-Projekt existiert der historische Ansbach-Triesdorfer Tiger erstmals seit rund 100 Jahren wieder:
    •    phänotypisch korrekt
    •    historisch dokumentiert
    •    genetisch nachvollziehbar
    •    wissenschaftlich anerkannt

Wir bewahren damit ein Stück bayerischer und deutscher Agrargeschichte, das ohne dieses Projekt für immer verloren gewesen wäre.

 

Die Geschichte der Rasse

Das Ansbach-Triesdorfer Rind ist das Ergebnis eines langjährigen Zuchtprogramms, das Mitte des 18. Jahrhunderts begann. Damals waren die Ansbacher Markgrafen von der Größe und der Milchleistung der schwarzbunten holländisch-friesischen Rinder so stark beeindruckt, dass Markgraf Carl Wilhelm Friedrich 1740 mehrere Kühe und Bullen aus Holland auf seinen Gutsbetrieb nach Triesdorf bringen ließ. Die Tiere sollten in die Bestände der umliegenden Bauernhöfe eingekreuzt werden. Seinerzeit existierten im Raum Ansbach fränkische Landschläge, in der Regel kleine, robuste braune und rote Rinder. Sie waren nicht nur Milch- und Fleischproduzenten, sondern dienten auch als Zugtiere (Dreinutzungsrasse).

 

Porträt aus dem Jahr 1893: Die Ansbach-Triesdorfer Sieger-Färse auf der Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in München. Der Züchter des Tieres war Friedrich Schrenk aus Aumühle bei Ansbach.

Bald stellte sich heraus, dass den Schwarzbunten aus Holland das raue Klima und die eher magere Futtergrundlage in Mittelfranken nicht besonders gut bekamen. Außerdem waren diese Rinder nicht als Zugtiere geeignet. Aber die Markgrafen des Hauses Brandenburg-Ansbach ließen sich dadurch nicht entmutigen und verfolgten weiterhin ihr Ziel, die Rinderzucht auf ihrem Territorium zu verbessern. Sie ließen aus der Westschweiz Simmentaler Rinder und schwarzbunte Höhenrinder (Berner Schecken) importieren. Deren Einkreuzung in die fränkischen Rotviehbestände war ein großer Erfolg: In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren die Kreuzungsrinder aus Triesdorf ein Verkaufsschlager auf den Viehmärkten Westeuropas.

Schließlich waren im Ansbach-Triesdorfer Rind mehrere Rassen vereinigt. Die Tiere zeigten Mitte des 19. Jahrhunderts eine weiße Farbzeichnung mit rötlichen oder schwarzen Flecken. Außerdem traten Tiere mit braunen Einsprengseln auf, die sich über das gesamte Fell verteilen. Dieser gescheckte Phänotyp wurde als „Tiger“ bezeichnet. Weiterhin gab es Rot- und Schwarzschecken im Typ des Höhen- und Niederungsrindes. Neben der Milchleistung beeindruckte vor allem das Arbeitsvermögen der Tiere. Die Hartklauigkeit erlaubte selbst auf den mit Lesesteinen befestigten Feldwegen das Arbeiten ohne Hufbeschlag.

Die Vorzüge der Ansbach-Triesdorfer Rinder führten zwischen 1860 bis 1880 zu einer Ausbreitung der Rasse über Mittel- und Unterfranken bis nach Oberfranken und Nordschwaben: Um 1896 existierten etwa 190.000 Tiere. Damit erreichte die Rasse den Zenit ihrer Verbreitung. 1906 lebten nur noch 90.000 Exemplare. Eine Ursache für diesen Rückgang des Bestandes war das Körgesetz von 1888: Es ließ nur noch rein getigerte Tiere zu, wodurch sich schlagartig die Zuchtbasis verengte.
Nachdem die offizielle Zuchtbuchführung eingestellt worden war, betrieben seit 1919 nur noch Kleinbauern die Zucht der Ansbach-Triesdorfer Rinder. Restbestände blieben vor allem im Bereich der Uffenheimer Bucht, im Raum Leutershausen, nördlich von Ansbach und im Altmühltal erhalten. Seit 1989 kümmert sich die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) um das Fortbestehen der Rasse. Ein Kreis engagierter Landwirte befasst sich mit der Weiterzucht der Tiere. 1992 wurde der Verein zur Erhaltung des Ansbach-Triesdorfer Rindes e. V. gegründet. Derzeit halten etwa 40 Betriebe – überwiegend im traditionellen Zuchtgebiet in Mittelfranken – Ansbach-Triesdorfer Rinder.